Machtwechsel
Wie man auch die Entstehungsgeschichte des Staates Israel rekonstruiert, der zentrale politische Punkt, an dem sich die Geister wirklich scheiden, ist ein anderer: Bekämpft man den heutigen israelischen Faschismus und setzt sich öffentlich – von innen wie von außen – für seine Entmachtung ein? Oder verurteilt man ihn lediglich und fühlt sich so in seinem selbstgewissen bis zynischen postkolonialen Weltbild bestätigt?
Das betrifft auch die Bedeutung des Holocaust, der in Israel bekanntlich zuerst 20 Jahre – bis zum Eichmann-Prozeß – systematisch verdrängt und mißachtet worden ist, um in der Folge dann auf einmal skrupellos und immer skrupelloser machtpolitisch instrumentalisiert zu werden. Auch diese verheerende Geschichtspolitik des rechten Zionismus, der bereits seit Ende der 70er Jahre in Israel an der Macht ist, läßt sich ein so versierter Publizist wie Mishra selbstverständlich nicht entgehen. Jenes „Nie wieder“ gelte nur für die Juden, nicht für alle Menschen, so bringt Gideon Levy den Mißbrauch, die toxische Verwendung der Erinnerung an die Shoah seitens der Machthaber Israels auf den Punkt.
Für einen Machtwechsel im Staat Israel! Es ist zweitrangig, für wen wir ihn fordern: für die Palästinenser und ihre aufgehobenen Menschenrechte. Oder für die Israelis und ihre verlorene demokratische Zivilisiertheit. Er käme immer beiden Seiten zugute.