Posthume Verhöhnung der Opfer der Silvesternacht von Crans Montana in der Neuen Zürcher Zeitung

Michael Moller

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) ist in der Schweiz seit Jahrzehnten DIE ehrwürdige „Alte Tante“ und hat international ein Renommee als angesehene, seriöse Qualitätszeitung mit liberal-konservativem Schwerpunkt.

Aber seit etlichen Jahren erfährt diese Zeitung eine Transformation, die auch aktiv ein rechtspopulistisches Publikum bewirtschaftet – besonders die Deutschland-Redaktion der NZZ ist diesbezüglich sehr aktiv (vgl. dazu informativ z.B. „Auf dem rechten Weg nach Deutschland“, M. Maurer & P. Blow 30.04.2025, in „Republik“ bzw. als Beispiele “Richter winken «Correctiv»-Bericht durch: ein Urteil, genauso fragwürdig wie die Recherche selbst“, E. Bodderas 19.12.2025 oder „Die Ausgrenzung hat die AfD gross gemacht – wer sie wieder kleinkriegen will, muss sie mitregieren lassen“, M.F. Serrao 13.02.2024).

Kommentare des NZZ-Chefredakteurs Eric Gujer mit Titeln wie „Deutschland, Messerland…“ (03.02.2023), „Die deutsche Brandmauer bröckelt – und das ist gut so“ (05.12.2025), „Die Willkür ist am schlimmsten. Warum die Meinungsfreiheit in Deutschland gefährdet ist“ (19.12.2025) oder, legendär geworden und schon damals besonders absurd „Wohin steuert Amerika? Aussenpolitisch ist Kamala Harris das grössere Risiko als Trump“ (26.07.2024) seien beispielhaft angeführt.

Entsprechend hat sich auch im Diskussionsforum der NZZ seit längerem eine rechtspopulistische Hardcore-Blase (mit typischen AfD-Themen EU- und Grünen-Bashing, Rechtsstaatsignoranz, „Links-Wokeismus“, „Migranten“, oder „Klimawandellügen“ etc.) gebildet.

Diese gesellschaftspolitische spalterische Negativität hat nun aktuell der NZZ-Chefredakteur auf die Spitze getrieben, indem er die jugendlichen Opfer der Silvesternachtkatastrophe von Crans Montana am nationalen Trauertag der Schweiz für ihren Tod verantwortlich macht.

Für mich ist das ein Skandal, der die ohnehin schon angeschlagene Reputation der NZZ weiter negativ eskaliert.

Das hat mich veranlasst, die Eigentümervertretung der NZZ diesbezüglich anzusprechen. Nachfolgend veröffentliche ich an dieser Stelle die Mitteilung, in der ich die weitere Tragbarkeit des NZZ-Chefredakteurs für die NZZ in Frage stelle.

PS: Die NZZ hat ein Janus-Gesicht. Zur Brandkatastrophe gab es in der Zeitung schon früh angemessene Artikel, z.B. „Visuelle Rekonstruktion: So kam es zum Brand in Crans-Montana“, 03.01.2026 von J. Oesch, S. Huwiler & Forrest Rogers, oder „Im Fall Crans-Montana geht es längst auch um den Ruf der Schweiz“, 07.01.2026 von M. Sander. Letzterer beginnt seinen Kommentar mit „…Jeder Schweizer Würdenträger muss dieser Dimension gerecht werden…“ und endet mit „…Niemand darf so tun, als trauere nur die Schweiz. Es wird eine internationale Trauerfeier, auch weil die Staatspräsidenten Macron und Mattarella sich angekündigt haben. Alle Schweizer Würdenträger, die dort auftreten, müssen unbedingt die richtigen Worte und Gesten finden.“

Der NZZ-Chefredakteur Eric Gujer fand nicht die richtigen Worte – und war in dem Moment entsprechend auch kein Träger von Würde.


Wie „krank“ ist Eric Gujer?

Sehr geehrte Vertreter der Eigentümer der NZZ, sehr geehrte Frau Welton,

nicht nur ich habe mit grossem Entsetzen den Kommentar von Eric Gujer „Der Horror von Crans-Montana zeigt, wie krank unsere Spassgesellschaft ist“ gelesen.

Viele, viele Leser teilen das Gefühl, dass hier nicht die Spassgesellschaft „krank“ ist – sondern wohl eher der NZZ-Chefredakteur, um seine Wortwahl am nationalen Trauertag der Schweiz sinngemäss zu spiegeln.

Eric Gujer schreibt u.a. ernsthaft „…die Opfer der Feuersbrunst…schieben die Verantwortung für [ihr] Leben ab…“ [Online-Version vom 09.01.2026, Nachtrag M.M. für diesen Blog]

Die „Flashover“-Wahrheit ist, dass die vielen jungen, vergnügten Menschen in der Silvesternacht bei Ausbruch des Feuers an der Decke nur noch ein paar Sekunden Zeit hatten, um ihr Leben zu retten.

Die Wahrheit ist also, dass die Jugendlichen objektiv praktisch keine Chance hatten, und zwar selbst wenn sie, in freudiger Silvester-Stimmung, die Schaumstoff-Flashover-Dramatik auch nur im Ansatz gekannt hätten.

Mit anderen Worten, sowohl subjektiv (vielen Jugendlichen war aus diversen nachvollziehbaren Gründen die hohe dramatische Dynamik der tödlichen Gefahr nicht bewusst) als auch objektiv (diejenigen, die die Gefahr erkannten, konnten sich zum Teil trotzdem nicht retten – ein paar Sekunden ist nun einmal nicht viel Zeit) ist den Jugendlichen kein materieller Vorwurf zu machen, und den Opfern schon gleich gar nicht!

Das negative, zynische Weltbild von Eric Gujer ist eine Sache – an dieser Stelle hat er aber nun seinen eigenen „Ahrtal“-Moment. Mit dem Unterschied, dass Armin Laschet damals einfach nur nicht beachtete, dass sein privates Lachen über irgendeine Banalität auch im Hintergrund in einem Türrahmen gefilmt wurde – während Eric Gujer nun im vollen Rampenlicht am nationalen Trauertag der Schweiz im vollen Bewusstsein völlig entgleiste.

Für mich ist das ein Skandal.

Was muss noch alles passieren, bis Eric Gujer zurücktritt bzw. entlassen wird?

Mit freundlichem Gruss,

Michael Moller

  • Tim Köhler

    13.1.2026, 14:08

    Da bleibt nur eins: Das NZZ-Abo abbestellen. Ich habe es getan, und fühle mich besser, geradezu entschlackt. Diese AfD-Speichelleckerei ist nervtötend und antihumanistisch.

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  • Herbert Lippenberger

    14.1.2026, 20:43

    Besten Dank an Michael Moller, er beschreibt das Paradox NZZ sehr treffend. Denn neben den bekannten politischen Schräglagen von Eric Gujer und der Deutschlandredaktion gibt es sehr wohl auch veritable Beiträge, gerade die USA und vor allem den Nahostkonflikt betreffend. Die NZZ ist eine sehr wichtige, immer noch gut recherchierte deutschsprachige Zeitung. Ihr grosser Vorteil liegt u.a. darin, dass sie nicht in Deutschland herausgegeben wird! Es ist gefährlich hier nur den Schalter auf „Aus“ zu legen, denn in Österreich sehe ich solch eine qualitative Tageszeitung keineswegs und der Zürcher Tagesanzeiger kann in vielem nicht das Niveau der NZZ bieten. Gerade im Hinblick auf die Verhältnisse in Deutschland braucht es den kritischen Blick von aussen, ob die NZZ dies in den nächsten Jahren noch leisten kann, ist leider nicht mehr mit Sicherheit zu sagen – doch beschleunigt das Verschwinden kritischer Leser leider diesen Prozess. In diesem Sinne ist die Intervention von Michael Moller sehr wichtig und mehr als lobenswert!

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